Diakonische Projekte [DB]

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Kinderarmut in der Pfarrgemeinde Südwest?
von Stefanie Rausch 

Für jede Gemeinde gibt es viele Handlungsfelder in sehr unterschiedlichen Bereichen. Die (ehemalige) Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde hat sich schon sehr früh einen Schwerpunkt in seinem kirchlichen Handeln in der Diakonie gesetzt.

Heute wird von einem diakonischen Profil gesprochen. Auch das diakonische Handeln hat vielfältige Möglichkeiten. Dass die kirchliche Arbeit in Freiburg- Weingarten seit jeher seinen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit hatte, zeigt sich auch an den Einrichtungen der „Diakonie Südwest e.V.", die ebenfalls überwiegend im Kinder – und Jugendbereich angesiedelt sind. Neben vielen Alltagsfragen und -problemen sehen sich die Menschen, die (haupt- und ehrenamtlich) in Weingarten für die Kirche und den Diakonieverein arbeiten immer wieder und auch zunehmend mit Armutslagen in den Familien konfrontiert, was sich in seinen Auswirkungen vor allem bei den Kindern bemerkbar macht.

Für den Kontext ist mein Verständnis von Kirche und Diakonie wichtig: Wenn ich von diakonischer Kirche vor Ort rede, meine ich gleichermaßen den Predigtbezirk bzw. die Pfarrgemeinde wie auch diakonische Einrichtungen. Diakonie ist eine Wesens- und Lebensäußerung der Kirche. Nicht nur beim Diakonischen, aber auch da bedeutet, dass Kirche ohne das „Diakonische" nicht existieren kann. Dies ist aber nicht so zu verstehen, dass Kirche vor Ort eine allseits bereite Helfergemeinschaft ist, sondern selber auch zu den Hilfsbedürftigen zählen kann. Formen und Inhalte der diakonischen Kirche sind allerdings veränderbar, manche müssen sich sogar verändern. Diakonischer Kirche vor Ort bleibt eigentlich nichts anderes über als mit einer ständigen Veränderung zu rechnen. Es ist eine immerwährende Aufgabe, diese Herausforderungen und Aufgaben für die jeweiligen diakonischen Handlungsfelder zu bestimmen. Der demographische Wandel und die Aufgaben der regionalen Entwicklung sind heute solche aktuellen Herausforderungen für Kirche und Diakonie. Der Blick in die Kirchengeschichte und in die Bibel aber zeigt, wie sehr Kirche immer auf die Gesellschaft bezogen war und ist, wie sehr sie auf die Bedürfnisse der Menschen und die Erfordernisse der Zeit zu reagieren hatte. Und es wird deutlich, dass gerade diakonische Kirche vor Ort nah an den Menschen dran ist. Gesellschaftlich sind Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen eine sehr feinmaschige Struktur. Sie sind von daher nicht nur nah dran an den Menschen, sondern sie sind dabei auch immer schon politisch, im Sinne von öffentlich, auch wenn sie es vielleicht ausdrücklich gar nicht sein wollen. Inso-fern kommt Gemeinden und diakonischen Einrichtungen in ihrem diakonischen Auftrag auch immer eine soziale Verantwortung für die Gesellschaft zu. Entscheidend ist dabei, was als Aufgabe und Herausforderung wahrgenommen, aber auch was als Ressource angesehen wird.

Ist Kinderarmut ein Thema, mit dem sich Kirche beschäftigen kann und vielleicht auch muss? Und wenn ja, dann wie? Die EKD hat im Herbst 2006 in ihrer Denk-schrift „Gerechte Teilhabe. Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität" schon im Vorwort klare Worte gefunden: „Armut muss, wo möglich, vermieden und dort, wo es sie dennoch gibt, gelindert werden." Da die Schere zwischen Armen und Reichen in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander geht, ist deshalb meiner Ansicht nah Pflicht für die Gemeinde vor Ort, die sich mit dem Thema konfrontiert sieht zu handeln. Mit dem Wort der Teilhabe werden Ausgrenzungsprozesse als Grundübel der Armut markiert. Dem liegen Analysen zugrunde, wonach Menschen mit extrem niedrigen Einkommen in vieler Hinsicht unterversorgt sind. Man redet von Bildungsarmut, Netzwerkarmut und kultureller Armut. Vor allem führt diese Unterversorgung aber dazu, dass die Betroffenen auf Dauer von gesellschaftlichen Prozessen abgekoppelt sind. Sie nehmen nicht mehr teil und teilen mit der Zeit auch die Werte und Ziele anderer Menschen nicht mehr. Die Option der Kirche für die Armen müsste darum bedeuten, in erster Linie Teilhabe zu fördern, denn Teilhabe überwindet Ausgrenzung.

Zum theoretischen Hintergrund und der Veranlassung zu diesen Projekten kann noch viel gesagt werden, an dieser Stelle sollen sie nunmehr einfach vorgestellt werden: zwei Projekte, eins für die ganze Pfarrgemeinde Südwest – Projekt „Frühstückskiste“ und eins für den Stadtteil Weingarten – Projekt „Schulkiste“ (genaueres in den seperaten Artikeln auf dieser Seite).

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