Das Projekt „Schulkiste“ [sw]

„HinweisEin Projekt in der Pfarrgemeinde Südwest ist im Rahmen der ersten Kirchgeldsammlung entstanden. Nachdem wir im Ältestenkreis lange über das Kirchgeld diskutiert haben, haben wir uns auch für ein diakonisches Projekt entschieden, ohne schon zu genau festzulegen, wofür das dann erwartete Geld verwendet werden sollte. Das dann von mir entwickelte Projekt hat unter anderem mit meiner eigenen Erfahrung im Rahmen der Einschulung meines Sohnes zu tun. Ich hatte neben dem Schulranzen mit allem Zubehör noch mal eine sehr lange Liste mit sehr hochwertigen Schulmaterialien, die angeschafft werden mussten.

Als die Schule begann, hatten wir für die Einschulung 260,-€ ausgegeben und Sportsachen waren noch nicht mal notwendig, da seine aus der Kindergartenzeit noch passten. (Eine Anmerkung am Rande: Ich habe mich an das gehalten, was verlangt war und habe wirklich kein unnötiges Geld ausgegeben.) Diese eigene Lebenserfahrung führte dazu, dass ich mich bei den Grundschulen in unserer Pfarrgemeinde Südwest erkundigt habe, was für Anschaffungen für die Erstklässler gemacht werden müssen. Das Ergebnis war überall ähnlich. So stand fest, dass es nicht wenige Familien in unserer Pfarrgemeinde gibt, die sich das nur sehr schwer leisten können. Auch wenn es 100,-€ Unterstützung von Seiten des Staates gibt, für die Anschaffungen in der 1. Klasse. Die entsprechenden  Anträge können meist auch erst gestellt, werden, wenn das Schuljahr begonnen hat und die Materialien bereits vorhanden sein müssen. Die Begründung von Seiten der Schule war einleuchtend: sie wollten hochwertige Markenartikel, weil die Erfahrung zeigt, dass diese Materialien einfach länger halten (Stifte beispielsweise nicht brechen). Es ist deutlich, dass Kindern, die nicht mithalten können und die verlangten Materialien nicht bringen, schon zu Beginn ihrer Schullaufbahn auffallen, und ihnen somit ein Stück Chancengleichheit verwehrt wird.

Ich begann also nach einer Möglichkeit der Unterstützung zu suchen. Nachdem klar war, was Standards sind, die alle Schulen verlangen (Wasserfarbkasten, dicke Buntstifte, Knete, Kleber, Schere, Anspitzer), habe ich in den Ältestenkreis den Vorschlag eingebracht, diese Sachen den Kindern aus den evangelischen Kindergärten unserer Pfarrgemeinde zum Schulstart zu schenken. zunächst einmal finanziert aus einem Teil des Kirchgeldes. Dies fand Zustimmung. Ich habe dann mehrere Schreibwarenläden nach einem Angebot gefragt, bevorzugt wäre auch dies einer aus dem Gebiet unserer Pfarrgemeinde gewesen. Das beste Angebot hat uns dann aber ein Laden aus der Wiehre gemacht, die Inhaberin fand die Idee so überzeugend, dass sie uns neben den gewünschten Sachen auch noch ein paar Kleinigkeiten dazu schenken wollte und zudem angeboten hat, dieses Materialien in einer Kiste zu liefern, die speziell von Großhändlern für Erstklässler weitergegeben wird. In so einer bunten Kiste (mit Motiven wie Käpt'n Blaubär, der Maus etc.) befinden sich neben den von uns gekauften Sachen noch Geschenke wie Trinkflasche, Turnbeutel o.ä. Das Paket bekommen wir fast zum Einkaufspreis. Eine Abfrage in unseren Kindergärten (einer in Merzhausen, zwei im Vauban, einer in St. Georgen, einer in Haslach und drei in Weingarten) hat ergeben, dass erwartungsgemäß die meisten finanzschwachen Familien in Weingarten und Haslach leben. Aber auch in allen anderen Kindertagesstätten gab es Bedarf. Wir machen diese Aktion jetzt im dritten Jahr und bekommen jedes Mal ein sehr positives feedback von den Kindern und ihren Eltern. Dies wird über die ErzieherInnen vermittelt; es soll anonym bleiben, wer die beschenkten Familien sind, damit wir niemandem das Gefühl geben, sich outen zu müssen. Die ErzieherInnen hingegen wissen ja über die finanzielle Situation sehr gut Bescheid. Es soll keine Familie in Verlegenheit kommen, wenn sie in der Schule im RU oder auch in anderen gemeindlichen Kontexten jemand aus der Gemeinde trifft, der dann über die Finanzen der Familie vermeintlich Bescheid weiß. Natürlich ist das Kirchgeld trotz aller Sonderpreise irgendwann aufgebraucht, aber das Projekt soll weitergehen. So haben wir bereits im letzten Herbst einen Artikel im Gemeindebrief der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche mit einem Spendenaufruf veröffentlicht – aus Weingarten kommen die meisten Kinder, die diese Schulkiste bekommen. Diesem wurde gerne Rechnung getragen, demnächst folgt ein Spendenaufruf in den anderen Gemeindebriefen.

Diese Projekt ist ein sehr einseitiges im Sinne von „es gibt Menschen, die beschenken und Menschen, die beschenkt werden". Dennoch halte ich das Projekt für sinnvoll, weil es den Menschen, den sehr jungen Kindern aus unserer Gemeinde, eine Möglichkeit bietet, ein Stück mehr Chancengleichheit zu erlangen. Es ist damit noch lange nicht getan und bestimmt nur ein kleiner Baustein, aber auch ein kleiner Schritt kann manchmal Gutes bewirken. Da die Familien alle eine Karte mit einer Erklärung bekommen, warum sie dieses Geschenk bekommen, lässt sich als Nutzen (wenn man denn  einen Kosten-Nutzen-Vergleich machen möchte) darstellen, dass diese Familien eine,  vielleicht die erste, positive Erfahrung mit der evangelischen Kirche machen.


von Stefanie Rausch

 

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