Das Projekt „Frühstückskiste“ [DB]

„HinweisIn Weingarten leben über 10.000 Menschen, viele von Ihnen in den dortigen Hochhäusern. 50% der Menschen haben Migrationshintergrund, was allein noch kein Problem darstellt, dies ist aber oft gekoppelt mit Lebenslagenproblemen. Diese Existenzprobleme im Alltag treffen auf viele Familien zu. 25% der Menschen leben von Transferleistungen, nirgends sonst in Freiburg ist der Anteil Arbeitsloser so hoch, wer nicht arbeitslos ist, lebt oft von Minijobs, stockt mit Hartz IV auf.

Besonders häufig leben Kinder von 0 bis 6 Jahren in Bedarfsgemeinschaften, in Weingarten sind es 31% aller Kinder. Und wer (noch) nicht oder nicht mehr in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, ist häufig nur sehr knapp über den Einkommensgrenzen, es sind überdurchschnittlich wenige Menschen, die in der sogenannten Mittelschicht aufwachsen. In unserer Arbeit merken wir das besonders häufig daran, dass Eltern ihre Kindergartenbeiträge nicht zahlen (können), überfordert sind rechtzeitig beim Amt Verlängerungen bei Übernahmen zu beantragen. Selbst wenn es Übernahmen vom Amt für Essen und Elternbeiträge gibt, sind die restlichen 20,-€ Eigenbeitrag oft nur schwer aufzubringen. Dies liegt nicht ausschließlich daran, dass das Geld nicht vorhanden ist. Ursachen sind auch im nie gelernten Umgang mit Geld zu finden, Überforderung in der Verantwortung für eigene Kinder und die Konsequenzen für nicht gezahltes Geld bis ins Letzte zu überblicken. So kommt es nicht selten zu Mahnungen von Seiten des Diakonievereins, auf die leider oft erst reagiert wird, wenn die Kündigung eines Platzes ausgesprochen wird. (die bei Zahlung selbstverständlich nicht aufrechterhalten bleibt). Mit solchen Maßnahmen begibt man sich aber natürlich in die Gefahr Kinder, die unter ihren Alltagsbedingungen eh schon leiden, ein weiteres Mal an der Teilhabe an unsere Gesellschaft auszuschließen.

So stellt sich den MitarbeiterInnen immer wieder die Frage an welcher Stelle in den diakonischen Einrichtungen sinnvoll der Kinderarmut begegnet werden kann. Daraus habe ich in den letzten Jahren ein Projekt entwickelt. Dieses soll hier vorgestellt werden.

Es handelt sich um ein Projekt, welches direkt in der Bonhoeffer-Kirche umgesetzt wird: die Frühstückskiste in der Gottesdienstgemeinde. Entwickelt wurde diese Idee, nachdem die MitarbeiterInnen der Kindertagesstätten davon berichteten, dass es sehr häufig vorkommt, dass Kinder ohne gefrühstückt zu haben in die Kita kommen, wenn sie Vesper mitgebracht haben, war dieses Essen oft im eher ungesunden und auch nicht satt machenden Bereich anzusiedeln. Neben viel Elternarbeit, die zum Thema „Essen" gemacht wird, ergab sich hier für die Gemeinde ein gutes und auch einfaches Handlungsfeld: Es wurde eine Holzkiste organisiert, diese wurde von einer Kindergartengruppe bemalt und mit Fotos von Essenssituationen beklebt, sowie mit Dekogegenständen aus einem Kaufladen dekoriert. Diese Kiste wurde in einem Gottesdienst in der Gemeinde „eingeführt" und seither (Januar 2011) steht sie jeden Sonntag bereit, um Lebensmittel zum Frühstück aufzunehmen. Sie füllt sich Sonntag für Sonntag mit Müsli, Marmelade, Honig, Säften, Obst etc. Jeden Montag verteile ich die frischen Lebensmittel in den Kindergärten, die haltbaren Sachen werden in regelmäßigen Abständen von den Einrichtungsleitungen untereinander aufgeteilt. Die Kinder in den Kitas freuen sich immer sehr über die Spenden. Es ist mir wichtig, dass sie wissen, wo dieses Essen herkommt. Dies vermittelt gute Assoziationen mit Kirche. Damit dies aber nicht nur ein Einseitiges Geben bzw. Nehmen ist, wurde überlegt, wie zum einen die Kinder mit dem Satz „Dieses Essen wurde in der Kirche gespendet." mehr verbinden können, zum anderen die Menschen, in direktem Kontakt mit den Kindern kommen können. So wird immer mal wieder in der Kirche gemeinsam mit Kindern aus den Kitas und Menschen aus der Gemeinde gefrühstückt oder Menschen aus der Gemeinde werden zu einem gemeinsamen Frühstück in die Kita eingeladen. Da in unsere Gottesdienste überwiegend ältere Menschen kommen, finden sie diese Zusammenkünfte mit der ganz jungen Generation sehr erfrischend.

Neben dem Essen selber gibt es auch die Möglichkeit Geld in die Kiste zu spenden, dieses Geld wird für Einkäufe auf dem Markt oder im Supermarkt genutzt. Hier können die Kinder lernen, auf was sie beim Kauf frischen Essens achten müssen bzw. wo sie bestimmte Sachen im Supermarkt finden.

Stefanie Rausch

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