Mehr als 100 Jahre Geschichte

Der Hilfsverein der Melanchthongemeinde


Von 1907 bis 1945: Von der Gründung bis zum  Ende  des  Zweiten Weltkrieges

Der „Evangelische Hilfsverein der Melanchthonkirche" entstand unter diesem Namen im Jahre 1928 und ist aus einem am 6. Dezember 1907 durch Pfarrer Heinrich Herrmann gegründeten Unterstützungs-Frauenverein hervorgegangen. Bis 1945 hatte er lediglich die Krankenschwesternstation zu tragen. Bald danach kam die Kindergartenarbeit noch dazu. Zunächst war der Melanchthonkindergarten, unmittelbar nach Kriegsende von Pfarrer Bujard gegründet, im Pfarrhaus untergebracht, wo es aber an vielem fehlte. Anschließend diente eine ehemalige Arbeitsdienstbaracke im Pfarrgarten als Notunterkunft, bis sie dann 1956 ersetzt wurde durch den heute noch stehenden Neubau des Kindergartens. Die Schwesternstation befand sich in einem Einfamilienhaus in der Fichtestraße 23.


Von 1945 bis 1980: Wachstum der Aufgaben und  Konzentration  auf den Kindergarten

Das Wachstum bzw. die Neugründung der evangelischen Gemeinden im Südwesten brachte auch für den Hilfsverein viele Veränderungen der Aufgabenbereiche mit sich: Nachdem ein selbständiger Hilfsverein der Lukasgemeinde gegründet worden war, wurde die jahrelange Betreuung des Oberlin-Kindergartens in Freiburg-St.Georgen durch den Hilfsverein der Melanchthongemeinde im Jahr 1958 eingestellt. Der evangelische Schülerhort Haslach, ebenfalls vom Melanchthonhilfsverein getragen, wurde mit Ende des Schuljahres 1958 nach Kündigung durch das Schulamt aufgelöst. Ersatzräume standen nicht mehr zur Verfügung. Noch Mitte der sechziger Jahre plante man, einen zweiten Kindergarten auf dem Kirchenbauplatz an der Ecke Belchen- und Feldbergstraße für die Gartenstadt und Lindenheimsiedlung zu bauen. Dieses Vorhaben wurde später aufgegeben. Das neue Wohngebiet westlich der Güterbahnlinie brachte auch dem Evangelischen Hilfsverein Haslach neue Aufgaben. So entstand am 1. Juli 1967 neben der (alten) Melanchthonpfarrei-Ost eine neue Melanchthonpfarrei-West, die später als selbständige Pfarrei den Namen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde erhielt. Es stellte sich stattdessen für den Melanchthonhilfsverein die Aufgabe, nunmehr auch Träger des provisorischen Kindergartens der Melanchthonpfarrei-West (jetzt Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde) im ersten sechzehnstöckigen Hochhaus im Binzengrün 34 zu werden. Dieser Kindergarten begann seine Arbeit am 1. September 1967.
Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde wuchs schnell und so wurde am 7. Januar 1970 ein selbständiger „Diakonieverein der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde e.V." gegründet. Damit endete für den Melanchthonhilfsverein auch die Trägerschaft für den Kindergarten und die Hauspflegestation westlich der Güterbahnlinie.
Die Leiterinnen des Melanchthonkindergartens seit 1952 waren, Fr. Elisabeth Frick, gestorben im Dienst 1970; sodann Frau Ursula Baumstark von 1970 bis 1979; Frl. Bärbel Behrendt von 1979 bis 1983 und Frl. Gerda Döbele in den Jahren 1983 und 1984. Von 1984 bis 1987 war Frau Anneliese Bartke Leiterin des Kindergartens.
Die Krankenpflegestation - heutige Sozialstation - war seit Anfang Januar 1969 allein besetzt mit der Diakonissenschwester Luise Luhr. Vom 1. Oktober 1963 bis zum Jahresende 1968 versah sie ihren Dienst zusammen mit der Diakonisse Maria Weiner, die dann altershalber in den Ruhestand ging. Diakonisse Lola Hirsch war noch vor 1963 mit in der Schwesternstation tätig. Seit 1969 betreute Schwester Luise Luhr allein jedes Jahr weit über 100 Patienten und erbrachte über 10000 Hilfeleistungen, davon sehr viele Hausbesuche, Ambulanzbesuche und anderes mehr.
Aufgrund neuer Gesetze des Landes Baden-Württemberg und um eine geregelte Vertretung der Pflegekräfte in den Krankenschwesternstationen zu gewährleisten, wurde am 7. Juli 1980 die „Evangelische Sozialstation Freiburg e.V." gegründet. Sie wird von allen evangelischen Gemeinden getragen, die hierdurch ihren unverzichtbaren diakonischen Auftrag an den kranken und notleidenden Menschen erfüllen. Die Sozialstation bietet umfassende Hilfe und Betreuung durch den Einsatz von Fachkräften.

Von 1980 bis 1999: Jahre voller Wechsel

Durch die Gründung der „Evangelischen Sozialstation Freiburg e.V." und die Integration unserer bisherigen Krankenpflegestation in diese neue und größere Einheit konzentrierte sich die Arbeit und unmittelbare Verantwortung des Hilfsvereinsvorstandes auf den Kindergarten. Dabei waren die folgenden Jahre bis 1992 geprägt von vielen Personalproblemen und teilweise raschen Personalwechseln, bedingt einerseits durch Schwangerschaften von Erzieherinnen, andererseits aber auch von Wünschen auf Weiterbildung. So folgten auf Frau Bartke als Kindergartenleiterin bereits ab 1987 Frau Marion Theurer, ab 1988 Frau Susanne Fromm, 1990 Frau Anke Fiebig und schließlich 1992 Frau Carmen Hohler. Ähnlich schnell wechselten auch die Gruppenleiterinnen. Erfreulich war hingegen, dass ab Mitte der 80er Jahre die Zahl der angemeldeten Kinder wieder zunahm, so dass auch wieder Wartelisten geführt werden mussten. Einige Jahre zuvor noch war die Kinderzahl soweit zurückgegangen, dass man sich im Vorstand schon Gedanken über eine Schließung des Kindergartens gemacht hatte, da die Finanzierung nicht mehr gesichert schien. Nach der Verabschiedung von Herrn Pfarrer Kraft im November 1989 übernahm Herr Walter Bechtold zunächst den Vorsitz des Hilfsvereins bis zur Wahl von Herrn Pfarrer Ernst Moser im November 1991. 1994 wurde vom Kindergartenteam erstmals eine Konzeption des Kindergartens erarbeitet. Im Sommer 1999 übernahm Frau Christiane Burgert als Schwangerschafts- und Erziehungsurlaubsvertretung für Frau Hohler die Leitung des Kindergartens. Zum Sommer 2001 kündigte Frau Burgert ihre Stelle, um ein Studium der Sozialarbeit aufzunehmen. Die Kindergartenleitung wurde befristet von Frau Schwörer übernommen.
Am 26.11.1995 wurde Herr Pfarrer Moser von der Gemeinde verabschiedet. Wieder führte Herr Bechtold die Geschäfte des Vereins bis zur Übernahme des Vorsitzes durch Herrn Pfarrer Ewald Förschler im Juli 1996. Ab 1998 übernahm das Kirchengemeindeamt die Verwaltungsgeschäfte für den Kindergarten. Dies führte zu einer Entlastung insbesondere des Rechners des Hilfsvereins. Dieses Amt hatte nach über 30-jähriger Tätigkeit Herr Werner Sänger im Oktober 1996 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. Ab September 1998 konnte Herr Wolfram Kaffke als neuer Rechner gewonnen werden.
In den 90er Jahren konnte der Kindergarten durch Renovierungen und Umbauten modernisiert werden, insbesondere im Sanitärbereich. Hierzu waren nicht unbeträchtliche Mittel erforderlich, die sowohl von der Gesamtkichengemeinde, die die Bauunterhaltungskosten trägt, als auch vom Hilfsverein aufgebracht wurden. Aber auch Spenden sowie Mitarbeit von Eltern trugen dazu bei, insbesonders bei der durchgeführten Um- und Neugestaltung des Gartens und Außenspielbereichs. So trägt die attraktive Gestaltung des Kindergartens, zusammen mit der guten Arbeit der Erzieherinnen dazu bei, den guten Ruf unseres Kindergartens über Jahre hinweg zu erhalten und zu festigen. Im Jahre 1985 ging „unsere" Diakonissenschwester Luise Luhr nach langen Jahren unermüdlichen Einsatzes in den wohlverdienten Ruhestand. Die Evangelische Sozialstation zog 1985 in den Neubau Markgrafenstraße 28 und 1998 von dort schließlich in die Carl-Kistner-Str. 54, wo sie heute noch ist. Im Jahre 2001 wurden erstmals die Mitgliedsbeiträge des Hilfsvereins an die Sozialstation in Form eines Autos geleistet. Es trägt auf beiden Seiten eine Aufschrift, die auf die Förderung und Unterstützung der Sozialstation durch den Hilfsverein hinweist.


2000 bis 2006: Turbulente Jahre der Neuausrichtung und Konsolidierung

2001 gab sich der Hilfsverein ein neues Motto: „Wir helfen Jung und Alt". Das Leistungsprofil des Vereins soll den heutigen Gegebenheiten angepaßt werden. Die Satzung wurde dahingehend in der Mitgliederversammlung geändert. So beschloss der Vorstand, den neu gegründeten Kinderchor finanziell für die Jahre 2000 und 2001 zu unterstützen und dessen Finanzierung damit zu sichern. Außerdem wurde der Kindergruppe Pusteblume weitere Unterstützung zugesagt. In der Mitgliederversammlung 2001 stellte sich Herr Bechtold nicht mehr zur Wiederwahl als Vorstandsmitglied. Er hatte dem Vorstand seit Mai 1975 26 Jahre lang ununterbrochen angehört, war von Anfang an 2. Vorsitzender, zwischenzeitlich mehrfach, insgesamt ca. 3 Jahre, 1. Vorsitzender und hatte zusätzlich seit über 10 Jahren das Amt des Schriftführers übernommen.
Mit der Wahl des neuen Ältestenkreises der Melanchthongemeinde im Herbst 2001 kam als Vertreter des Ältestenkreises Herr Dr. Langosch in den Vorstand. Dieser bestand weiterhin aus Herrn Pfarrer Förschler als Vorsitzendem, Frau Kimmig als 2. Vorsitzenden und dem Rechner, Herrn Kaffke. Herr Dr. Langosch übernahm bei seinem Eintritt in den Vorstand die Koordination für die Krabbelgruppe und für den Kindergarten. Zu Beginn des Jahres 2002 war der Hilfsverein durch die Auseinandersetzungen im Rahmen der Unregelmäßigkeiten mit dem ehemaligen Kirchendiener und Vorstandsmitglied des Hilfsyereins gekennzeichnet und dies beanspruchte auch das ganze Jahr hindurch viel Kraft.
Im Kindergarten kam es durch den Weggang der bisherigen Leiterin Frau Schwörer zu einem personellen Wechsel. Als neue Leiterin wurde Frau Gasser eingestellt. Herr Pfarrer Förschler verließ die Melanchthongemeinde und wurde Pfarrer in Mußbach. Auf Wunsch der restlichen Mitglieder des Vorstands übernahm Herr Dr. Langosch den Vorsitz des Vereins. Im Herbst des Jahres 2002 wurde von Herrn Dr. Langosch und Frau Gasser die Umgestaltung des Kindergarten-Gartens initiiert.
Im Jahr 2003 brachte die große Fluktuation des Personals im Kindergarten etliche Turbulenzen. Frau Gasser bekam ein Kind und nahm eine dreijährige Elternzeit, Frau Schwuchow, erst neu als Erzieherin in den Kindergarten gekommen, übernahm die Leitung des Kindergartens.
In der Kindergruppe Pusteblume wurde die Renovierung ihrer Räume gefördert. Für den Kindergarten wurde ein umfassendes Programm zur Modernisierung initiiert. Die Fa. Bagage wurde mit der Neugestaltung des Gartens beauftragt. Als weiteres Vorstandsmitglied konnte Frau Marianne Berner gewonnen werden, die sich fortan schwerpunktmäßig um den Kindergarten kümmerte. Für die Umgestaltung des Gartens konnte sie viele namhafte Firmen als Spender gewinnen. Die Unterstützung des Kinderchors wurde fester Bestandteil der Aktivitäten des Hilfsvereins. Der Mitgliedsbeitrag zur Sozialstation wurde wieder für mehrere Jahre zusammengefasst und ein weiterer Kleinwagen finanziert.
2004 wurde im Kindergarten mit Hilfe der externen Qualitätsentwicklerin Frau Steiner begonnen, Erziehungsstandards zu erarbeiten und zu etablieren. Es erfolgten auch wichtige strukturelle Änderungen, so musste die Zahl der Kinder wegen fehlender Anmeldungen auf insgesamt 35 reduziert werden, dadurch fiel auch eine halbe Erzieherinnenstelle weg. Da sich die verringerte Kinderzahl in einer deutlichen Verbesserung der Betreuungsqualität niederschlug, wurde beschlossen, dies für die Folgejahre möglichst beizubehalten.
Die Arbeiten im Garten begannen nach intensiver Vorbereitungsphase im Frühjahr 2004. Sehr viele Arbeiten wurden in Eigenleistung durch die Eltern erbracht. Die Einweihung erfolgte im Sommer mit einem schönen Fest. Innerhalb des Kindergartens wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig. Den Kinderchor unterstützte der Hilfsverein weiterhin, indem er die Chorleitung mit finanzierte. 2005 begannen sich die eingeleiteten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Kindergarten auszuzahlen. Sowohl von Seiten der Erzieherinnen, als auch von Seiten des Elternbeirats wurde von einem guten Arbeitsklima und einer angenehmen Atmosphäre im Kindergarten berichtet. Das externe Qualitätsmanagement und Personalentwicklungskonzept wurde noch das ganze Jahr hindurch weitergeführt. Kinderchor, Sozialstation und Kindergruppe wurden weiterhin unterstützt bzw. finanziert. Im Vorstand gab Herr Dr. Langosch nach drei turbulenten und anstrengenden Jahren die Ämter des Vorsitzenden und Schriftführers an den Pfarrer Dr. Kunath ab. Anfang 2006 beschloss der Hilfsverein das neue Konzept für den Kindergarten.

Autoren: Adolf Zimmermann, Walter Bechtold und Dr. Jens Langosch
(zusammengestellt durch Pfr. J. Kunath)