Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche

Bugginger Straße 42 ist die Adresse des Zentrums unseres Predigtbezirks:

Kirche, Gemeindezentrum, Jugendzentrum


Gemeindezentrum

 

Rückseite              Seiteneingang

Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche erzählt

Wenn Sie sich jemandem, der Sie nicht sehen kann, beschreiben sollten, was würden Sie dann sagen?
Ich bin eckig und verwinkelt und stehe mitten im Stadtteil. Ich bin nicht sofort als Kirchengebäude zu erkennen, nur ein recht unscheinbares Kreuz über dem Haupteingang weist darauf hin. Der Gottesdienstraum wird unter der Woche anders genutzt – z. B. für das Mittagessen von Schulkindern – in mir ist also immer viel Flexibilität und Bewegung. In meinem Untergeschoss gibt es noch eine kleine Kapelle, die gerade wieder etwas aus der „Versenkung" geholt worden ist.

Erzählen Sie doch mal etwas aus Ihrer Kindheit und Jugend!
In den 60er und 70er Jahren sehnten sich die Menschen nach mir. Ich entstand, als sehe viele junge Familien in dem neuen Stadtteil Weingarten ansässig wurden und einen Ort benötigten, an dem sie Gottesdienste feiern konnten. Es war von Anfang an klar, dass hier nicht nur ein Kirchengebäude wichtig war. Im Untergeschoss wurden auch Räume für Begegnung geschaffen.

Können Sie uns etwas über Ihren Namensgeber sagen?
Mein Name wurde von den damaligen aktiven Gemeindemitgliedern ausgesucht und ich finde, sie haben eine gute Wahl getroffen. Dietrich Bonhoeffer war ja Pfarrer und leistete Widerstand im Dritten Reich. Er sagte: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist." Ihm war es wichtig, Handeln und Beten, Ethik und Spiritualität miteinander zu verbinden. Sein Zentrum ist Jesus Christus; ihm gilt es nachzufolgen im Denken, Reden und Handeln. Mitten in der Welt sollen die Christinnen und Christen leben – mit der inneren Gewissheit, dass es etwas nach dem Tod geben wird – von dort kommt die Kraft für das Diesseits. Am 9. April hat sich der Tag seiner Hinrichtung zum 70. Mal gejährt.

Wie passt Ihr Name zu Ihnen?
Der Name passt ausgesprochen gut zu mir. Ich beherberge so viele Menschen verschiedener Nationen mit unterschiedlichen religiösen Ansichten. Sonntags feiert außer der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde auch eine afrikanische und eine lutherische Brüdergemeinde ihren Gottesdienst im Gottesdienstraum. Eine interreligiöse Einschulungsfeier wird jährlich zu Schulbeginn gefeiert – da liegt dann nicht nur eine Bibel auf dem Altar, sondern auch ein Koran, und es erklingt eine gesungene Sure. Und die Diakonie hat einen hohen Stellenwert für uns. Etliche Einrichtungen gehören zum Diakonieverein Südwest und sind unserer Gemeinde verbunden. Und wir bleiben nicht einfach in unserem Gebäude, sondern sind ökumenisch auf dem Weingartener Markt mit einem mobilen Marktstand präsent. In diesem Jahr haben wir uns auch der Ökologie, der Schöpfung Gottes zugewendet ...

Wie würden Sie sich charakterisieren?
Vielfältig, offen, warm, lebendig, einladend, heimelig, geliebt, niederschwellig, laut, manchmal vermüllt, kreativ, manchmal feierlich und manchmal nicht, nie prunkvoll, aber immer mal wieder berührend, im Werden ...

Was schätzen Sie besonders an sich?
... dass ich ein Ort und Gebäude bin, das für alle, die kommen möchten, zugänglich ist. Ich bin sozusagen „niederschwellig" ...

Und was eher nicht?
... dass es nicht einfach ist, auf mein Inventar zu achten. Dort wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es nun mal auch Unachtsamkeit und Beschädigung.

Erzählen Sie doch eine kleine Anekdote aus Ihrem Leben.
Ich bin so sehr in den Stadtteil integriert, dass ich manchmal gar nicht mehr als „christlich" erkannt werde. Einmal wurde bei einer Feier versucht, mein Kreuz von der Wand zu entfernen

Haben Sie eine Vision? Wenn ja, welche?
Weitere Räume, die zur Begegnung einladen – wie wäre es, wenn ich in die Höhe wachsen darf? Eine schöne Dachterrasse mit einem kleinen Bistro? In der Sonne sitzen und das Leben in Weingarten genießen bei einer Tasse Kaffee?
Es wäre schön, wenn – ganz nach Dietrich Bonhoeffers Theologie – ethisches Handeln und Spiritualität noch mehr miteinander verbunden wären, wenn die Gemeindemitglieder in den diakonischen Einrichtungen ein und aus gehen und die Eltern und Kinder der Einrichtungen den Weg in unsere Gemeinde finden.
Ich freue mich auch auf die gemeinsame Gestaltung des Bereiches zwischen EH und Gemeindezentrum – der neue Platz wird übrigens Dietrich-Bonhoeffer-Platz heißen.

Gibt es einen typischen Tagesablauf in Ihrem Leben?
Am Werktag besprechen sich morgens die MitarbeiterInnen des Jugi. Ab 12 Uhr kommen die ersten Kinder der Adolf-Reichwein-Schule zum Mittagessen. Danach ist Hausaufgabenbetreuung und Spielangebot. Nachmittags findet von der Gemeinde aus die Kindertheatergruppe statt. Abends hat die israelische Tanzgruppe ihr Treffen. Und dann ist vielleicht noch das Treffen der Asylgruppe. Am Sonntag wird ab 9 Uhr der Gottesdienstraum für den Gottesdienst gerichtet. Um 10 Uhr ist Gottesdienst der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Danach sitzen einige noch beim Kirchenkaffee zusammen, wenn schon die ersten Mitglieder der afrikanischen Gemeinde in prächtigen Gewändern zu ihrem Gottesdienst um 12 Uhr kommen. Um 14.30 Uhr feiert dann die Brüdergemeinde ihren Gottesdienst.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?
Nein, eigentlich nicht. Es ist manchmal anstrengend, hier im lebendigen Weingarten zu stehen, aber auch sehr erfüllend und schön ...