Wie ist es heute?
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts sagten die St. Georgener, wenn sie nach Haslach gingen, sie gingen ins „Lutherische". Die Entwicklung zeigte jedoch, man kam in Haslach nicht mehr aneinander vorbei, sondern nur miteinander weiter. Schon 1968 gab es eine ökumenische Gebetswoche der Gemeinden St. Michael und Melanchthon, in deren Rahmen die ersten ökumenischen Gottesdienste gefeiert wurden. Die erste ökumenische Trauung unter Mitwirkung beider Pfarrer wurde 1971 gehalten. Der gute Kontakt zwischen dem katholischen Pfarrer Jung und dem evangelischen Pfarrer Kraft ließ ab 1972 die ersten gemeinsamen Projekte entstehen. Acht Jahre lang gab es dann einen ökumenischen Gesprächskreis für konfessionsverschiedene Paare, der dann später im ökumenischen Bibelgesprächskreis seine Fortsetzung fand. Durch Frau Eck wurde 1982 ein Bastelkreis ins Leben gerufen, der für beide Konfessionen offen war und großen Zuspruch fand. Dank der ansteckenden Kreativität Frau Ecks entstanden hier über fast 20 Jahre wunderbare Basteleien. Leider konnte nach dem frühen Tod von Frau Eck der Kreis nicht weitergeführt werden.
Der begonnene ökumenische Weg setzte sich in der guten Zusammenarbeit mit Pfarrer Ehrath (St. Michael) und den nachfolgenden evangelischen Pfarrern, Herrn Moser und Herrn Förschler, fort. Auch die beiden jetzigen Pfarrer, Herr Vogel und Herr Dr. Kunath, haben einen freundlichen und offenen Umgang miteinander und stehen der Ökumene aufgeschlossen gegenüber.
Folgende Aktivitäten haben sich über die Jahre gehalten oder sind neu hinzugekommen: An Christi Himmelfahrt gibt es eine gemeinsame Wanderung mit anschließendem ökumenischem Gottesdienst und gemütlichem Ausklang. Seit 1996 wird auf dem Haslacher Hock ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Einmal im Jahr findet ein ökumenischer Jugendgottesdienst statt. Zweimal im Monat trifft sich der ökumenische Bibelgesprächskreis sowie einmal im Monat der ökumenische Arbeitskreis Theologie. Neu hinzugekommen ist die ökumenische Friedensdekade, in welcher gemeinsam für das friedliche Miteinander aller Menschen gebetet und Fürbitte gehalten wird. Eine Gruppe von Christen hat sich in jüngster Zeit zusammengefunden, die nun gemeinsam das 1979 ins Leben gerufene ökumenische Abendgebet vorbereitet. Neu ist auch das „Haslacher Netz", welches von beiden Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Nachbarschaftswerk unterstützt wird. Hier stellen Ehrenamtliche ihre Fähigkeiten in den Dienst am Nächsten, indem sie z.B. bei Behördengängen, beim Erlernen der Sprache, beim Umgang mit elektronischen Medien etc. behilflich sind.
Ein Höhepunkt ist jedoch sicherlich die einmal jährlich stattfindende ökumenische Bibelwoche. Hierbei werden gemeinsam Texte aus der Bibel besprochen. Daraus ergibt sich dann manch reger Gedankenaustausch, und was bisher als unverständlich und trennend empfunden wurde, kann in Einklang und zur Einsicht gebracht werden. Die Anerkennung und Achtung vor dem Anderen und der Geist, der über uns allen ist, führen uns zusammen. Die Intoleranz der letzten Jahrhunderte ist überwunden, dennoch sollte sie uns mahnend vor Augen stehen.
Die Ökumene bei uns in Haslach ist auf einem unaufhaltsam guten Weg. Dieser Weg ist jedoch noch nicht zu Ende.
So machen sich jetzt beide Gemeinden auf, Seelsorgeeinheiten bzw. Unionen zu bilden. Behutsam nähern sich Katholiken an Katholiken (Weingarten/Haslach) und Protestanten an Protestanten (Weingarten/Rieselfeld/St. Georgen/Merzhausen/Haslach). Ein Prozess des Annäherns und Kennenlernens ist in Gang gekommen. Jede Gemeinde bringt ihre eigene ökumenische Geschichte mit. Das ökumenische Miteinander kann hier Vorbild sein — und darf bei den anstehenden Zusammenschlüssen nicht vergessen werden!